Besser statt richtig: Warum Begeistern eine Methodenfrage ist
Für alle, die an Produkten, Marken und Innovationen arbeiten: warum Anpassen und Begeistern zwei Wege sind, wo kreative Methoden Bias verstärken und wie MEDGI plus Daten Entscheidungen stabilisiert.
Besser statt richtig: Warum Begeistern eine Methodenfrage ist
Bei R3ASON arbeiten wir an Wicked Problems – an Fragen, die keine eindeutige Lösung haben, bei denen jede Antwort neue Fragen aufwirft und sich „richtig" erst im Rückblick zeigt, wenn überhaupt. Deshalb geht es in unserer Arbeit selten um richtig oder falsch. Es geht um besser oder schlechter. Das ist typisch für Produktdesign, Branding und Customer Experience – und genauso für Innovationsprozesse und Company Building.
Zwei Wege zu „besser"
Den einen Weg gehen die meisten: Man wertet Feedbackloops mit Kunden aus und iteriert sich Schritt für Schritt nach vorn. Das funktioniert, und es ist die Grundlinie – vergleichbar mit Evolution. Man passt sich an die Anforderungen der Kundschaft an, Schritt für Schritt.
Den anderen Weg gehen wenige: Man bildet Hypothesen und liefert Ergebnisse, die die Erwartung übertreffen. In der Logik der Customer Experience ist das Erlebnis genau dann positiv, wenn Erwartungen und Bedürfnisse übertroffen werden. Der Kreis der Unternehmen, die das beherrschen, ist deutlich kleiner – und deutlich erfolgreicher. An diesem Prinzip richtet R3ASON seine Arbeit als AI Business Studio aus. Design, Branding und Customer Experience haben bei uns ein Ziel: Erwartungen zu übertreffen.
Der eigentliche Unterschied zwischen beiden Wegen ist der Umgang mit Risiko. Wer nur liefert, was die Kundschaft ohnehin verlangt, geht praktisch keines ein. Wer überraschen will, geht ins Risiko – denn er muss die Bedürfnisse, die er überbieten möchte, erst verstehen, auch die verborgenen.
Warum Übertreffen bindet, was Anpassen offenlässt
Wird eine Erwartung übertroffen, macht der Kunde in diesem Moment eine besondere Erfahrung: Er gewinnt persönlich hinzu. Er wächst – an Fähigkeiten, an Kompetenz, oder auf der Gefühlsebene, etwa an Prestige. Aus dieser Erfahrung entsteht eine Bindung an Produkt und Marke, die reine Bedürfnisbefriedigung nie erzeugt. Die Anpassung stillt das Bedürfnis, aber die Überraschung bleibt aus – und mit ihr das differenzierende Erlebnis, das eine starke Marke ausmacht.
Damit spreche ich keinem Unternehmen ab, seine Marke evolutionär aufzubauen. Nur verläuft dieser Aufbau ebenso evolutionär: Er dauert sehr lange und erzeugt die typische Pfadabhängigkeit – das Gesamtsystem sucht Kontinuität und schrittweise, kontrollierbare Verbesserung.
Begeistern trägt ein Risiko
Weil dieses Verstehen selten vollständig gelingt, tauchen beim Begeistern zwei Fehlerbilder immer wieder auf. Das häufige: Man schießt über das Ziel hinaus, der Kunde ist überfordert und übersieht seinen Vorteil. Das seltenere: Die Erwartungen an die Marke steigen so hoch, dass sie sie schwer halten kann – und Enttäuschung folgt.
Wer diese Risiken managen will, muss zweierlei lernen. Zuerst: zuhören, Szenarien entwickeln, Muster erkennen. Dann: die gewonnenen Erkenntnisse verlässlich in Produkte übersetzen.
Methoden helfen – und sie schaden
Weil das niemand allein leistet, gibt es eine Menge Frameworks und Prozessmuster. Design Thinking gehört dazu, ebenso einzelne Methoden wie Customer Journey oder Value Proposition Design. Als strategischer Designer binde ich sie in meine Arbeit ein, oft in Workshops – gerade wegen der Gruppendynamik und der gemeinsamen Wirksamkeitserfahrung im Team.
Ehrlich gesagt kenne ich die Kehrseite aus eigener Erfahrung. Kreative Prozesse sind selten sauber in der Datenanalyse. Wo Muster berechnet gehören, entsteht schnell Bias – oft aus genau der Gruppendynamik, die den Workshop trägt. Und viele Methoden verstärken diese menschliche Schwäche, statt sie aufzufangen. Bauchgefühl oft als Erfahrungswissen missverstanden ist plötzlich die Basis für Qualität. Design Thinking ist dafür das prominenteste Beispiel: stark darin, Menschen zu beteiligen und Energie zu erzeugen, schwach darin, den eigenen Bias sichtbar zu machen. Genau deshalb hinterfragen wir bei R3ASON die Methoden immer wieder, beobachten genau und werten aus, ob sie tatsächlich tragen.
Warum wir bei MEDGI gelandet sind
Wir suchen aktiv nach Ansätzen die sich für die Arbeit mit Wicked Problems und für Entscheidungsprozesse unter Ungewissheit eignen, weil sie Risiken in diesen Prozessen senken. So sind wir im Austausch mit Menschen, die das Feld weiterdenken, auf MEDGI gestoßen: eine Design-Methode aus der akademischen Forschung von Jonathan Edelman und Kolleg:innen (Stanford Center for Design Research, Politecnico di Milano, Hasso Plattner Institute), 2022 peer-reviewt veröffentlicht. MEDGI steht für Map, Educe, Define, Gestalt, Implement: erst das System und seine Anforderungen verstehen, dann das Problem definieren – und erst danach gestalten. Die Idee kommt bewusst spät, aus der Anforderungslandschaft heraus.
Der Vorteil gegenüber Design Thinking liegt dabei woanders, als oft angenommen. Auch Design Thinking beginnt mit Empathie und dem Verstehen des Kontexts, bevor es einen Standpunkt formuliert. MEDGI setzt zwei andere Schwerpunkte. Erstens gewichtet es das Mapping deutlich stärker – die Anforderungen, die aus allen Richtungen auf ein Vorhaben treffen. Zweitens baut es die Umsetzung in die Methode selbst ein und fragt von Anfang an, wie sich eine Innovation im Unternehmen integrieren lässt. Genau daran scheitert Design Thinking oft: Am Ende müssen gute Ideen in die bestehende Struktur gepitcht werden – und haben dort häufig keine Chance.
Der R3ASON-Effekt
MEDGI ist anspruchsvoll – ohne Datenanalyse ist die Methode kaum zu bewältigen und deshalb ist sie eigentlich eine Geheimtipp für Experten geblieben. Datenanalyse ist aber etwas, dass wir mit unseren Tools die ganze Zeit machen und so verbinden wir MEDGI mit unserem Ansatz des Human Decision Engineering und bauen daraus einen datengestützten Prozess: Er macht Entscheidungen transparenter, macht Bias sichtbar und stabilisiert Entscheidungen in Kreativprozessen zu Wicked Problems mit Daten.
Dafür nutzen wir eigene Werkzeuge. N3XT Workshop stärkt die Interaktionsebene der Teams und protokolliert gruppendynamische Prozesse präzise. N3XT CRUX macht strukturierte qualitative Forschung so effizient, dass sie in solchen Entwicklungsprozessen überhaupt nutzbar wird. Dazu kommt die Werkbank aus Design Pattern Library, Brand Runtime System und einer Reihe interner agentischer Systeme, die Prototyping und Testing beschleunigen.
Wenn Sie in Ihrem Unternehmen wirklich herausstechen wollen, spüren Sie das Risiko sofort: Plötzlich herrscht Unsicherheit darüber, welcher Weg der richtige ist. Haben Sie sich schon überlegt, dieser Unsicherheit mit geeigneten Frameworks zu begegnen?